Goldstirnklammeraffen heissen auf anderen Sprachen Spinnenaffen, wegen ihrer langen Extremintäten. Sie sind etwas leichter als die kompakteren Wollaffen (bis zu 11 kg) aber auch viel grösser, stehend erreichen sie mit ihren Händen unsere Schultern und sind die grössten Affen Ecuadors. Auf Quichua heissen sie Maquisapa, was soviel wie Langhandaffe bedeutet: da sie keinen Daumen an der Hand haben, wirkt die Hand schmal und sehr lang. Der lange Greifschwanz endet in einer Tasthaut. Klammeraffen ernähren sich hauptsächlich von Früchten, mit Vorliebe von unreifen wilden Feigen. Goldstirnklammeraffen sind vom austerben bedroht (CITES Appendix I). Noch vor 10 Jahren sah man sie ab und zu im illegalen Handel, jetzt tauchen sie nur noch selten auf.





Tierportrait

Pia

Was macht man, wenn das porträtierte Tier inzwischen verschieden ist? Das Porträt dennoch publizieren, vor allem weil Pia eine unvergessliche Persönlichkeit war, und wir wirklich um sie trauern.Pia unterhielt uns im amaZOOnico seit anfangs 1992. Zuerst noch als schüchternes Affenmädchen, später dann als einer der skurrilsten Bewohner der Station. Es war oft schierig, nachzuvollziehen, was in ihrem reizendem Kopf vor sich ging. Wie viele unserer Affen war sie auf Mensch geprägt.
Doch andere Affen betrachten uns zwar als Artgenossen, bevorzugen für ihre geschlechtlichen Aktivitäten jedoch zum Glück richtige Affen. Pia jedoch irrte nicht nur in der Art, nein, auch noch im Geschlecht: ich war leider die Auserkorene... Das war 1996, Pia war pubertär.Sie lauerte mir auf wo sie nur konnte, von Tagesanbruch an, und hatte im Gegensatz zu mir den ganzen Tag nichts anderes vor. Wenn sie mich erwischte, sprang sie von hinten auf meinen Rücken und rieb stöhnend ihr Geschlecht an mir. Am Anfang nahm ich es mit Humor. Mit der Zeit aber fühlte ich mich regelrecht verfolgt! Damals verbrachte ich den Morgen im Wald mit botanischen Aufnahmen. Es war schier unmöglich, OHNE Pia bei den Aufnahmeflächen anzukommen. Mit der Machete konnte ich sie zwar in Schach halten, aber sowie ich mich bückte um eine Pflanze zu messen war das Monster auf mir. Und so ein Klammeraffe ist 11 kg schwer, und vor allem gross und stark. Um sie loszuwerden musste ich mich auf dem Boden rollen. Es war zum verrückt werden.


Auch ins Haus drang sie ein durch den Kamin, und liess soch von Feuer nicht abhalten. Hustend lugte sie dann durch den Rauch auf unser Zimmer und war nicht zu vertreiben.Nach einen halben Jahr besserte sich die Lage. Wir sperrten sie mit ihrem Männchen Johan ein, auf dass sie trächtig werde. Es hat lange nicht geklappt, sie interessierten sich nicht für einander. Erst im Herbst 2000 war Pia endlich trächtig. Doch sie verlor das Affenkind. Und ende April passierte das Unglück: Die Autopsie ergab, dass sie von einer Lanzenotter ins Gesicht gebissen wurde. Sie war nach wenigen Stunden tot.
Es sterben leider oft Tiere bei uns, doch meist Neuankömmlinge, die schon in einem desolaten Zustand geliefert wurden, man hängt vorsichtshalber gar nicht erst sein Herz daran. Dies ist der erste alte Affe der uns verlässt, und ohne pathetisch werden zu wollen, sie hinterlässt eine grosse Lücke.


Angelika Raimann






  

Der Wollaffe gehört zusammen mit den Brüllaffen zu den schwersten Affen in der Neuen Welt. Ausgewachsene Wollaffen duften nach Gewürzen, haben ein wunderschönes, dichtes, dunkelbraunes Fell, einen muskulösen Greifschwanz und ein sehr menschenähnliches Gesicht.
Wollaffenkolonien trifft man sehr oft in der Nähe von Totenkopfaeffchen an.
Wegen der zunehmenden Jagd ist er in den Wäldern von Selva Viva bis hin nach Tena am Fuss der Anden seit rund 20 Jahren fast nicht mehr zu finden. Inzwischen ist aber auch die Indiogemeinschaft von Ahuano an einer Wiedereinbürgerung der Wollaffen interessiert.

   



Tierportrait

Moreno, Der eigentliche Boss des amaZOOnico

Getauft nach dem Politiker Servio Moreno, der am Tag Provinzdepurtierter wurde, an dem auch Moreno in den amaZOOnico kam: am 1.Mai 1994. Moreno war damals ein räudiger, eingeschüchterter und magerer Wollaffenjüngling. Seine Mutter wurde von Huaorani-Indios mit dem Blasrohr erschossen, er überlebte auf ihrem Rücken und verbrachte einige Monate als lebendes Spielzeug in einer Huaoranifamilie. Als sein Besitzer zu den Wahlen nach Ahuano reiste, nahm er Moreno als Zahlungsmittel mit. Für rund 5 sFr. erwarb ein Hotelangestellter in Ahuano den jungen Affen, und gab ihn an den amaZOOnico weiter.
Nach ein paar Wochen Eingewöhnung und Behandlung durfte Moreno zu den anderen Affen, und beugte sich der Autorität von Johan, unserem berüchtigten Klammeraffenmann. Doch schon nach einem Jahr hatte er so an Kilos und vor allem an Autorität zugelegt, dass er einen kurzen Kampf mit Johann ausfocht, und diesem eine tiefe Fleischwunde verpasste.
Seitdem herrscht Ruhe in der Affengruppe. Moreno, inzwischen acht Kilo schwer, mit beeindruckenden Brusthaaren und Rückenmuskeln, sorgt für Ordnung und Gerechtigkeit. Er organisiert sogar Treibjagden gegen fremde Hunde und beschützt Jungaffen gegen andere Mitglieder der Gruppe.
Inzwischen wohnt Moreno auf der Insel vis-à-vis der Liana Lodge. Von der Schaukel aus kann man ihn manchmal dort in den Ästen sehen.



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16.09.2003 / © 1999-2010 amaZOOnico