Verhaltensökologie freilebender Zwergseidenäffchen (Cebuella pygmaea) in Ecuador

Diplomarbeit von Patricia Kehrli Januar - Juni 1999
unter der Leitung von Prof. Dr. R. D. Martin / Anthropologisches Institut und Museum der Universität Zürich
eingereicht an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich / Abteilung für Umweltnaturwissenschaften


Zusammenfassung

Während den vier Monaten von Januar bis Anfang Mai 1999 beobachtete ich vier Gruppen freilebender Zwergseidenäffchen (Cebuella pygmaea) im ecuadoriani-schen Regenwald.
Ziel der Arbeit war, Daten zur Verhaltensökologie dieser Gruppen mit den Resultaten zu vergleichen, die Pekka Soini 1982 während einer Beobachtungsperiode von achtzehn Monaten in einem rund 500 km weiter östlich, in Peru gelegenen Untersuchungsgebiet ebenfalls von Cebuella pygmaea erhalten hat.

Im Allgemeinen können die Daten von Soini bestätigt werden.
Abweichungen gab es bei der Sozialform: während Soini drei verschiedene Sozialformen vorfand (Gruppen, Einzeltiere und beginnende Vereinigungen), konnte ich nur Gruppen beobachten. Dieser Umstand kann wohl aber auf die geringere Beobachtungsdauer meinerseits zurückgeführt werden.
Im Gegensatz zum Untersuchungsgebiet von Soini war das meinige nie überflutet; die beiden Habitattypen sind also verschieden, was sicher im Zusammenhang steht mit meinen abweichenden Befunden.

Quantitative Daten, die ich zum Thema "Tagesaktivitäten" gesammelt hatte, stellte ich den Resultaten von Ramirez et al. gegenüber, die 1977 eine viermonatige Studie über Cebuella pygmaea in Peru durchgeführt hatten.
Hier gab es vor allem im Bezug auf die Aktivität "inaktiv" einen grossen Unterschied: während sie in den Daten von Ramirez et al. 32 Prozent der Tageszeit einnahm, machte sie bei mir 56 Prozent aus. Dies ist aber einerseits damit  zu erklären, dass ich ruhende Individuen länger beobachten konnte als sich fortbewegende und andererseits, dass ich die während der Aktivität "Fortbewegung" eingelegten "Stop's" ebenfalls als ruhen rechnete.

Bei einer meiner Beobachtungsgruppen machte ich eine erstaunliche Entdeckung: die aus mehreren Adulten und Juvenilen bestehende Familie zog 4 Traglinge auf! In dieser Familie mussten also zwei reproduzierende Weibchen vorhanden sein. Diese Tatsache weicht von der bis heute geltenden Meinung, Cebuella pygmaea sei monogam, ab.


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