Thu Nov 21 18:29:02 2002
Angelika Raimann, amazoon@na.pro.ec

Zur Abwechlung mal eine kurze, gute Nachricht:

Tapir Puntita, die schon seit einigen Wochen verschwunden war, kam letzte Nacht freiwillig in ihr Gehege (und ist aber auch wieder hinaus!)
Sie lebt also!


Thu Nov 21 18:22:32 2002
Angelika Raimann, amazoon@na.pro.ec

Die Pipelinefront: das Neueste.

Auf der Homepage der TUI, dem Konzern der zu 17,5 % die Pipeline durch unser Regenwaldschutzprojekt Selva Viva finanziert, haben wir den untenstehenden Text gefunden, und fragen uns langsam, wie unverschämt so ein Konzern eigentlich sein darf.

NB: via Reisebüro Nouvelles Frontières das auch zu dem Riesenkonzern TUI gehört schickt uns also das Unternehmen, welches die Pipeline mitfinanziert, Touristen in unsere Liana Lodge. Wir warten also auf die Mitarbeiter des TUI Group Service, die ja laut untenstehenden Text "erste Hilfe" in unserem Schutzwald leisten sollten…
Oder sollen wir uns für den TUI Umweltpreis bewerben, da wir ja alles machen, um die Umwelt in einem TUI Zielgebiet zu verbessern?
Nein, ich kann bald nicht mehr darüber lachen,

Hier der Auszug aus der TUI Homepage www.tui-umwelt.com:
TUI: Aktivist in Sachen Umwelt

Als Qualitätsveranstalter betrachten wir die Sicherung einer intakten Umwelt als wesentlichen Teil unserer Qualitätsstrategie. Deshalb engagieren wir uns mit vielfältigen praktischen Maßnahmen für den Umweltschutz. Zum Beispiel in unseren Katalogen: Hier finden unsere Kunden vielfältige Informationen zu Natur und Umwelt in den Urlaubsregionen sowie zur umweltschonenden
Hotelführung. Dazu werden vom Umweltmanagement die jährlich eingehenden Umweltberichte aus den TUI-Urlaubsregionen, die dort von den jeweiligen Leitern des TUI Group Service erstellt werden,
aufwändig ausgewertet. In Zusammenarbeit mit Vor-Ort-Organisationen, Hoteliers und Umweltschützern in den Zielgebieten leisten die über 1.000 Mitarbeiter des TUI Group Service zudem
"erste Hilfe" zur Rettung und Schonung der Natur, beispielsweise über die Wiederaufforstung gefährdeter Baumarten oder Schutzmaßnahmen für bedrohte Tierarten wie Wale, Delfine und
Schildkröten.

Außerdem werden die so genannten Leistungsträger in den Destinationen – das sind vor allem die Hoteliers – systematisch über unsere Umweltqualitätsanforderungen aufgeklärt. So werden
jährlich inzwischen mehrere tausend Ferienhotels und Apartmenthäuser mit Hilfe von Checklisten auf ihre Umweltverträglichkeit überprüft. Dazu zählen Fragen zum Energie- und Wasserverbrauch, zu den Müllmengen sowie den individuellen Bemühungen jedes einzelnen Hoteliers im Bereich des Umweltschutzes.
Ziel unserer Bemühungen ist die schrittweise Reduzierung von Umweltbelastungen – durch kleine, systematische Schritte wie beispielsweise die Verbesserung der Öko-Effizienz (Energieverbrauch, Wasserverbrauch, Abfallvermeidung, Flächenverbrauch etc.) in tausenden von Urlaubshotels weltweit.


Auszeichnungen als Motivation

Jedes Jahr vergibt TUI ihren Internationalen Umweltpreis an Personen, Nichtregierungsorganisationen oder regionale ökologische Initiativen, die entscheidend und in vorbildlicher Weise zum Schutz und Erhalt von Natur und Umwelt in TUI-Destinationen beitragen. So stellt beispielsweise für ökologisch herausragende Hotelanlagen die Auszeichnung als "TUI Umwelt Champion" ein Motivationsinstrument mit hoher Signalwirkung dar.


Tue Oct 15 22:44:39 2002
Angelika Raimann, amazoon@na.pro.ec

Neuestes von der Pipeline-Front

Von der TUI Deutschland immer noch keine Antwort auf unser Mail vom 12. September.
Ich habe es auch 4 Mal telefonisch versucht (von Ecuador nach Hannover), der Herr Dr.
Iwand ist nicht zu erreichen.

Heute hab ich von der Sekretärin des Dr. Iwand (sie scheint langsam Mitleid mit mir zu
haben) erfahren, dass nicht die Umweltabteilung der TUI federführend ist für eine Antwort
an uns, sondern leider die Energieabteilung (TUI/Preussag). Und ich solle doch die Herren
nochmals anschreiben.

Das habe ich getan, und erlaube mir unsere Freunde zu bitten, dieselben Herren auch noch
anzuschreiben, sicher nützt es mehr, wenn mehr Menschen sich beschweren:

Die Mail-Adressen lauten:
frank.laurich@tui.com und j.weinreich@preussagenergie.com.

Hier bei uns werden wir weiterhin regelmässig gedrückt, doch endlich zu unterschreiben. Am
letzten Montag hab ich den Herren geantwortet, dass wir einfach Angst hätten, die Pipeline
würde irgendwann ein Leck bekommen, und dann seien eben 12 Jahre Waldschutz für nichts
gewesen. "Aber nein" beruhigte mich der nette Erdölgesellschaftsvertreter: "wir haben
schon seit 5 Monaten keinen Pipelinebruch mehr gehabt, wir arbeiten mit
Spitzentechnologie!"

Und auf meinen Einwand, dass doch in ihrem eigenen Umweltverträglichkeitsbericht stehen
würde, unser Wald sei geologisch extrem unstabil und die Strasse hätte die Erdrutschgefahr
noch verstärkt, haben sie geantwortet, dass zwei kolumbianische Archeologen (!!) im
Nachhinein gemeint hätten, das sei doch nicht so schlimm.

Man sollte trotz allem seinen Humor bewahren: Heureux les pauvres d'esprit!! (Glücklich
die im Geist armen.)


Fri Sep 13 22:37:30 2002
Angelika Raimann, amazoon@na.pro.ec

Brief an den deutschen Konzern TUI, welcher mit 17,5 % am Bau der Pipeline durch unseren Schutzwald beteiligt ist.

Sehr geehrte Damen und Herren von der TUI,

Vielen Dank für das Mail vom 10. September, welches Sie unserem Genossenschafter David Wettstein geschickt haben.

Sehen Sie, ich glaube Ihnen, dass Sie sich bei Ihrem Konsortialpartner und Betriebsführer Kerr-McGee resp. ab nächster Woche Perenco für einen verantwortungsbewussten Umgang mit der Umwelt einsetzen. Aber glauben Sie mir bitte auch, dass das was hier unten im „Feld“ passiert, etwas anderes ist!

Sie kennen die Art der Kerr-McGee nicht, und ich möchte Sie dringend einladen, eine Woche bei uns zu verbringen, damit Sie sich sehen können, was die Realität ist. Dies ist eine ernstzunehmende Einladung an 5 Personen von der TUI für eine Woche in die Liana Lodge zu kommen, wobei wir gerne auch den Verantwortlichen für Umwelt des Konzerns begrüssen würden, und nicht nur Mitarbeiter der Abteilung Energie (ex-Preussag).

Ich habe Ihren Geschäftsbericht gelesen, Ihre Homepage angeschaut, und zweifle nicht an der Aufrichtigkeit Ihres Umweltengagements. Deshalb möchte ich, dass Sie kommen, und die Lage vor Ort beurteilen, bei den Gesprächen mit der Perenco-Ecuador dabei sind.

Im Umweltveträglichkeitsbericht der Kerr steht:

„10. SPECIAL MANAGEMENT AREAS
10.1 AREAS OF PRESERVATION
This category consists of primary forests (hilly and alluvial).... Anthropogenic impact to these areas is not permissible, and biological investigations are required to understand the dynamics of Amazon tropical forests.

The delimited zones of Selva Viva, Venecia Protected Forest, and Jatun-Sacha Station contain forests in good conservation conditions along the access roads; however, these zones also contain disturbed areas such as secondary forests and pastures, especially in the case of Jatun-Sacha. These disturbed areas are also considered preservation zones since their natural recovery is being investigated. Flat conservation areas, such as Venecia and Jatun-Sacha, have a 25 m wide strip along the Puerto Napo – Yuralpa, which is categorized as a conservation area. The same conservation strip is 40 m wide in hilly areas such as Selva Viva.“



Ich möchte präzisieren, dass der grösste Teil des Gebietes von Selva Viva, den die Pipeline durchquert, aus Primärwald besteht, und nicht Sekundärwald. Und das es der einzige Teil Primärwald entlang der gesamten Strecke Yuralpa-Puerto Napo ist.

Natürlich wurde uns zugesichert, dass die Pipeline so dicht wir möglich an der Strasse vorbeiführt. Als wir dann die Strecke zusammen abgingen, sah es plötzlich anders aus. Da führt die Pipeline dann 3 Meter neben einem riesigem Kapokbaum vorbei, und ich solle nicht so tun da der Baum das sowieso nicht überleben würde, also könnten wir ihn ja gleich ganz abhauen.
Zudem haben wir immer schon darauf hingewiesen, dass die Bauweise der Strasse so katastrophal ist, dass die ständigen Erdrutsche eine Bedrohung für die Pipeline darstellen, und wir eine Stabilisierung der Strasse wünschen, bevor die Pipeline gebaut wird. Dieser Forderung wird nicht nachgegeben, obwohl ich zu meinem grössten Erstaunen gerade das in dem Umweltbericht der Kerr gefunden habe, hier unten der Ausschnitt:

6.2.3 LANDSLIDES /EROSION
The road, over the whole of the route, was constructed without sufficient technical considerations. Where cuttings have been made to allow road passage insufficient attention was paid to slope angle and no reforestation or slope stabilization programs were initiated. The problem has been further complicated by the continued expansion of communities and populations into forested areas adjacent to the road. Slope erosion is continual and landslides are a daily occurrence.

To ensure the safety of the pipeline in will be necessary to either rectify the construction errors in the road or deviate the pipeline route to avoid areas of instability.

Ich möchte noch präzisieren, damit sie sich ein Bild von der Qualität der Strasse machen können, dass um Brücken zu sparen einfach Aufschüttungen gemacht wurden welche mindestens alle 6 Monate wieder abruschten, dann wird einfach Material (Erde) aus dem Wald entnommen und wieder aufgeschüttet, bis der Bach es wieder abgetragen hat. Zitat der Ingenieure der Azul, die für die Kerr arbeiten: „klar wäre eine Brücke vernünftiger und langfristig billiger, aber so haben wir eben immer Arbeit!“

Sie schreiben, die Pipeline folge dem Verlauf der Strasse. Das war unser Wunsch, und wir haben sehr dafür kämpfen müssen. Nun ist die Strasse sehr kurvenreich. Wir hatten einem für die Kerr günstigeren Verlauf zugestimmt in einem Abschnitt (rund 20 Meter waldeinwärts von der Strasse), sie haben den Abschnitt nun rund 80 Meter weiter hinein verlegt, mitten in unsere Mahagoniaufforstung, mit der Begründung, dass es nicht anders gehe (=billiger ist). Dies ist nur ein kleines Beispiel, es ist einfach ein langer und zermürbender Kampf.

Die botanischen Aufnahmen (um die legal uns zustehende Entschädigung auszurechnen) sind ein anderes Beispiel: da wird fast im Laufschritt durch den Wald gegangen, ein Paar Pflanzen aufgeschrieben, der von unserer Seite mitlaufende Pflanzenkenner ziemlich übergangen. Und als wir die Aufnahmen kontrollierten, fehlte mehr als die Hälfte der Pflanzen.

Insistieren möchte ich vor allem darauf, dass unser Gebiet sehr instabil ist, und sich die Geologie absolut nicht für eine Pipeline eingnet, vor allem nicht, wenn diese miserable Strasse nicht stabilisert wird. Hier der Ausschnitt aus dem KErr-Bericht, der die „high slope instability“ attestiert:

SUMMARY OF THE FUNDAMENTAL CHARACTERISTICS AT THE PIPELINE ROW

ZONE PHYSICAL BIOLOGICAL SOCIAL
FINCAS & PASTURE LANDS Flat Stable Areas,
High Water Tables, Clayey Soils, &
Sandy Strata. Altered areas Presence of Quichua and Settlers
VENECIA PROTECTOR FOREST Hilly, Unstable Slopes, Sandy and Clayey Soils, Low Water Table Regenerating Forest Privately Owned. Some Quichua and Settlers
JATUN SACHA Flat to Hilly
Clayey Soils, Low & High Water Table Areas Secondary Forest, Research Parcels, Farms, Wetlands & Moriche Palm Swamps in regeneration Foundation
SELVA VIVA PROTECTOR FOREST Hilly, High Slope Instability, Low Water Table Primary, Alluvial and Secondary Forests Privately Owned. Some Quichua and Settlers
WETLANDS & MORICHE PALM SWAMP Clay and Sandy Soils, Sensitive Soils, High Water Table Wetland Vegetation & Pastures Presence of Quichua and Settler Communities


Ich möchte sie wirklich dringendst bitten, sich die Lage vor Ort anzusehen, und das was hier Strasse genannt wird und regelmässig wegrutscht kennenzulernen.

Zum Tourismus das Zitat aus der UVP-Studie der KErr:

The impact to the tourist industry must be considered, especially along the first 30 km of the proposed pipeline ROW. Within the study area, the points of greatest tourist interest are the areas of forest both within and outside the reserves, the hotels, and the general appearance of the countryside.“

In Ihrem Mail schreiben Sie, die Pipeline führe 700 Meter hinter dem Hotel durch, das sei also nicht so ein grosses Problem. Darauf möchte ich 2 Sachen erwidern: erstens geht es uns hier nicht primär um die wirtschlaftlichen Folgen des Pipelinebaus. Selva Viva ist ein Regenwaldschutzprojekt, und kein Geldgewinnprojekt. Wir haben vor 12 Jahren angefangen mit dem Schützen von Regenwald und mit einer Wildtierauffangsstation. Die Liana Lodge kam erst vor 3 Jahren dazu, um die finanzielle Lage des Projektes zu bessern.
Und zweitens kommen unsere Touristen, um Regenwald zu sehen. Diese Menschen machen Tagesmärsche durch den Wald mit unseren indianischen Waldführer, sie können sich ausrechnen, dass die Besichtigung der Pipelinebaustelle leider zum obligatorischen Bestandteil jeder Wanderung gehören wird (sie liegt zwischen der Lodge am Ufer des Arajuno und dem Hauptteil des Schutzwaldes).

Ich könnte seitenlang so weiterfahren, aber ich glaube dass diese Beispiele reichen dürften, Sie zu überzeugen, dass da ein Problem besteht. Wir sind beileibe keine Umweltfanatiker, ich habe als Ingenieur in der Schweiz ebenfalls Umweltverträglichkeitsprüfungen ausgearbeitet, und weiss natürlich, dass es Projekte ohne negativen Einfluss auf die Umwelt gar nicht gibt. Es ist immer ein Abwägen, ob man die Belastung der Umwelt in Kauf nimmt oder nicht, und vor allem ein Versuch, diese Belastung so gering wie möglich zu halten. Und das ist, was wir hier schmerzlich vermissen!

Dieser Unterschied zwischen was in Quito gesagt wird (und was Sie in Europa von der Kerr zu hören bekommen) und was hier unten passiert und mit welchen Menschen wir hier unten zu tun haben ist heftig. Da werden alle billigen „psychologischen“ Tricks angewendet, eine Mannschaft von rund 20 „comunicadores“ die vor wenig zurückschreckt. Da wird mit Enteignung gedroht, da werden die Menschen gegeneinander aufgehetzt, Indioführer gekauft welche sich zuerst gewehrt hatten, Jatun Sacha, dem anderen Regenwaldschutzprojekt mit Alejandro Suarez an der Spitze wird besonders zugesetzt mit diesen nicht fairen Methoden.

Seit Monaten wollen wir zudem einen genauen Sicherheitsplan, was zu tun ist wenn es ein Leck in der Pipeline hat. Zuerst wurde uns ein Paar Mal mündlich geantwortet, dass es NIE ein Leck haben wird, da es erstklassige Technologie sei. Das fanden wir beruhigend, da wir aber Realisten sind, fänden wir so einen Plan trotzdem nützlich. Was tun? Wohin sich wenden? Wie kommunizieren? Wir haben ein Dokument bekommen, dass sich leider gerade nicht in meinen Händen befindet so das ich nicht wörtlich zitieren kann, aber es steht etwas darinnen von „sich ins Haus begeben, Fenster schliessen und die Polizei anrufen“. Schwierig, wenn die Fenster nur aus Maschendraht bestehen bei allen Häusern hier, und niemand entlang der 60 km Pipeline auch nur einen einzigen Telefonanschluss besitzt.

Das Mail ist lang geworden, ich muss zu einem Schluss kommen. Seit Monaten nun sind wir in Kontakt mit der TUI, und ausser Zusicherungen, man werde Druck auf die KERR ausüben, haben wir nichts gehört. Niemand von der Kerr hat ausserdem bestätigt, dass die TUI sich für uns einsetzt.

Es macht uns keine Freude, ihr Unternehmen öffentlich zu kritisieren, Sie mit Anrufen und Mails und Briefe zu bombardieren (ich hätte wirklich spannenderes und wichtigeres zu tun), aber Sie lassen uns keine andere Möglichkeit. Es wäre besser, wir könnten uns korrekt einigen, aber es kommt einfach seit April nichts konkretes von Ihrer Seite zurück. Wir sind zwar nur ein mittelgrosses Projekt, aber wir können uns trotzdem wehren, und werden es auch tun wenn wir müssen. Bitte überlegen Sie Sich, ob es den Imageverlust wert ist, den diese Austellung in Winterthur/CH am Wochenende mit sich bringen wird, sowie die Fernsehsendung in der Schweiz und der Tagesanzeiger Artikel in rund zwei Monaten. Uns liegt nicht daran, der TUI zu schaden, sondern daran, dass unser Projekt und die Arbeit von 12 Jahren nicht einfach so achtlos zerstört werden, und das finanziert von einem deutschen, umweltbewussten Konzern der noch dazu im Oekotourismus tätig ist!

In Erwartung einer Antwort grüsse ich Sie

Angelika Raimann
Selva Viva
Ecuador



Fri Sep 13 22:35:09 2002
Angelika Raimann, amazoon@na.pro.ec

Auflösung des „Zoos“ von Ibarra

Eine Mission in Ibarra hielt jahrelang rund 90 Tiere in 4 Gehegen, unter nicht sehr guten Bedingungen. Die Umweltpolizei hat letzten Freitag den Zoo geschlossen, und am Samstag kamen unangemeldet 48 Tiere zu uns. Ein Chaos entstand zwar nicht, aber mit rund 220 Tieren im Total sind wir doch an der Grenze des Zumutbaren. Vor allem die 8 ausgewachsenen Kapuzineraffen sind ein Problem. Wir werden die Kapuziner bald ausquartieren müssen, und planen schon ein kleines Zentrum am Fluss zwischen dem amaZOOnico und Puerto Barantilla. Unsere Volontäre haben im Moment mehr als genug zu tun, all diese Tiere bekommen täglich ein (schlecht schmeckendes) Entwurmungsmittel. Es ist nicht leicht, einen ausgewachsenen Kapuzineraffen davon zu überzeugen, seine Medizin zu schlucken!




Fri Sep 13 22:33:56 2002
Angelika Raimann, amazoon@na.pro.ec

Unsere beiden Tapire Armin und Roswhita sind tot.

Vor drei Wochen haben wir die beiden jungen Tapire Anton und Puntita von dem winzigen Gehege in unserem Garten in das grosse Tapirgehege mit Schwimmbecken tranferieren wollen. Schwierig, sie wollten partout nicht. Die erste Nacht haben sie ein Loch in den Zaun gedrückt und sind ausgebüchst, leider Armin und Roswhita mit sich ziehend. Roswhita war am nächsten Morgen schon wieder von selbst ins Gehege zurückgekommen, und Armin kam mit Waldhüter Jaime von der Strasse ebenfalls zurück. Ein Autogeräusch hat ihn erschreckt, er rannte zurück, gefolgt von Jaime. Ein Lastwagen sah den 200 kg Fleischberg, gab Gas und tötete Armin auf der Stelle. Es kam zu einem Streit zwischen dem Idioten am Steuer, der das tote Tier das ja er die Ehre hatte erlegt zu haben unbedingt mitnehmen wollte um es zu essen, und unserem Waldhüter, der das Beweisstück sichern wollte und noch dazu die Identität des Täters wissen wollte. Tot ist er unser Armin, der während 9 Jahren friedlich bei uns gelebt hatte.

Roswhita war völlig niedergeschlagen, wir hätten nicht gedacht, dass Tapire so sensibel reagieren. Wir haben sie dann alle 2 Stunden besucht und gekrault, ihr das Futter zu Füssen gelegt, sie hat immer nur leise wie traurig vor sich hingepfiffen. Nach 2 Wochen immer noch keine Besserung, das Tier magerte ab. Bis wir feststellten, dass sie an totaler Verstopfung litt. Tierärtzin Ellen kam extra von Quito angereist, es wurde probiert was machbar ist. Am Sonntag ist sie nun auch gestorben, an einer Darminvagination. Der Enddarm hatte sich in sich selbst reingesteckt, ist verwachsen, und die Nahrung konnte nicht mehr passieren. Bei Tapiren ist die Ueberlebenschance bei einer Operation extrem gering, und nach der Autopsie wussten wir, dass es besser war, nicht zu operieren.

Jahrelang hatten wir nie grössere Probleme mit Armin und Roswhita, und nun sind sie beide innert 3 Wochen gestorben. Ein sehr harter Schlag.



Mon Jul 15 22:14:29 2002
Angelika Raimann, amazoon@na.pro.ec

Standortbestimmung Pipeline durch unseren Schutzwald.

Im Juni waren Remigio und ich mit den Kindern in Europa und haben somit die Verhandlungen mit der Kerr-McGee in Ecuador auf Eis gelegt.
In Europa haben wir die Preussag kontaktiert, das deutsche Unternehmen, welche mit 17,5 % an der Pipeline durch unseren Schutzwald beteiligt ist. Die Preussag heisst nun nicht mehr Preussag, sondern TUI. Das Reiseunternehmen ist also federführend.
Die TUI ist das grösste Reiseunternehmen in Europa, ihr gehören auch THOMAS in England und NOUVELLES FRONTIERES in Frankreich unter anderem.

Die TUI ist laut Homepage (www.TUI.com) ein sehr ökologisches Unternehmen.
Es kann einem, gelinde gesagt, schon ärgern, dass ein Konzern, der eine Pipeline durch ein Regenwaldschutzprojekt im Amazonas finanziert, so offen auf seiner Homepage damit wirbt, dass ihm nichts wichtiger ist als der Umweltschutz!
Ich hatte regen Mailverkehr mit Dr. Jan Weinreich, den Pressesprecher der Energieabteilung des Konzerns. Das Einzige, was ich erreicht habe, ist die Zusage, dass er Druck auf die Kerr-McGee in Ecuador ausüben würde, sie sollen uns anständig behandeln.

Wir sind uns bewusst, dass die Pipeline auf jeden Fall gebaut wird, durch unseren Schutzwald. Das Einzige was uns bleibt, ist darauf zu pochen, dass der Bau so anständig wie möglich durchgeführt wird, auch wenn das Mehrkosten für die Erdölgesellschaft bedeutet. Und wir wollen eine Entschädigung in Form von Geld für die verlorene Waldfläche und die verlorene Zeit (jede Woche mehrere Sitzungen mit unangenehmen Leuten).
Mit diesem Geld könnten wir unser Regenwaldschutzprojekt vorwärts bringen, und nicht nur wie jetzt durch die Pipeline Geld, Zeit und Waldflächen verlieren. Bis jetzt akzeptiert die Kerr McGee unsere Forderungen nicht im vollen Umfang, um nicht zu sagen nicht einmal zur Hälfte.

Wir hätten von der TUI zumindest erwartet, dass sie als Gegenleistung für die Zerstörung dem Projekt Selva Viva Geld spenden würden. Aber sie scheinen sich sehr sicher zu sein, dass wir von Ecuador aus ihrem Image nicht schaden können.
Vielleicht wäre es keine schlechte Idee, sie vom Gegenteil zu überzeugen.
Freunde von Selva Viva und vom amaZOOnico die uns unterstützen wollen, bitte schreibt doch ein Paar Mails oder telefoniert auf Deutsch an:

Dr. Jan Weinreich (Pressesprecher)
j.weinreich@preussagenergie.com
Telefon Dr. Weinreich: +49.5.91.612-302

Der Chef der TUI in Deutschland ist Dr. Frank Laurich
Tel +49.511.5 66-14 27

Von der Schweiz aus wendet euch bitte an:
TUI Suisse Ltd, Herr Roland Schmid, tel +41.14.55-42 32

Allegemeine Mail Adresse des Konzerns:
info@preussag.com
info@tui.com

Macht euch darauf gefasst, dass die meisten ausser Dr. Weinreich nicht einmal wissen, dass ihr ökologsches Reiseunternehmen eine Pipeline durch den Amazonaswald finanziert, etwas Aufklärung kann nicht schaden!



Sat May 11 21:39:45 2002
Angelika Raimann, amazoon@na.pro.ec

Neues von der Pipeline

Am 10. Mai 2002 sind wir mit 10 Leuten von der Erdölgesellschaft im Wald gewesen, um mit ihnen die Streckenführung der Pipeline zu diskutieren. Wir konnten zumindest mündlich durchsetzen, dass die Pipeline genau an der Strasse entlang geführt wird und nicht wie die Erdölgesellschaft wollte oben auf dem Hügel zwischen Strasse und amaZOOnico (wunderschöner Primärwald mit u.a. wilden Mönchsschweifaffen und Kapuzinern).
Ob wir es schaffen werden, das absolut kein Primärwald abgeholzt wird ins zwar fraglich. Aber der grösste Teil der Pipeline kann durch den Streifen Sekundärwald geführt werden, der durch den Strassenbau entstanden ist. Wir hoffen, dass es uns gemeinsam mit unserem Baubeobachter aus Oesterreich, Ing. Peter Kneidinger, gelingen wird, die negativen Auswirkungen der Pipeline zumindest kleiner zu halten als die des Strassenbaus 1997.



Sat May 11 21:38:38 2002
Angelika Raimann, amazoon@na.pro.ec

Schlechte Nachrichten aus dem amaZOOnico.

In den letzten zwei Wochen sind 8 Tiere gestorben (von 170). Ihre Todesfälle haben nichts miteinander zu tun, es handelt sich eher um gehäuftes Pech:
o Wolläffin Kika, unser einziges geschlechtsreifes Wollaffenweibchen, erstickte an einem Stück Banane in der Luftröhre (kein Witz)
o Totenköpfchen Yannick erlag einer Pilzvergiftung
o Die Eule erstickte an einer hastig verschlungenen Maus die zu gross für den Kropf war.
o Ein (Pflanzenfressendes) Aguti zerbiss 2 Kobaltflügelsittiche. Als wir das Aguti aus der Voliere entfernen wollten, erlag es einem Herzstillstand.
o Kpauzinermann Ricki starb ohne das wir die Todesursache feststellen konnten
o Kapuzinermann Eric biss ein junges Totenköpfchen die Wirbelsäule durch. Wir mussten den querschnittgelähmten Affen einschläfern.
Alle Tiere wurden von unserer Tierärtzin in Quito autopsiert.
Hoffentlich geht es jetzt wieder aufwärts…



Thu Mar 21 20:22:40 2002
Angelika Raimann, amazoon@na.pro.ec

TAPIR-MONITORING

Unsere zwei jungen Tapire Anton und Puntita sind prächtig gewachsen, und haben auch schon mal ein Paar Tage allein im Wald verbracht. Sie sind gesund, normal im Verhalten, leicht scheu: ideale Voraussetzungen zum Auswildern. Doch ohne Ueberwachung läuft nichts! Wir möchten sie freilassen, doch mit einem Radiosender versehen. Gibt es einen Biologen der darüber eine Arbeit schreiben möchte? Jemanden der weiss, wo man solche Halsbänder bekommt, und vor allem, wie man das finanzieren könnte? Wir freuen uns auf Antworten!

We would like to find somebody who is interested in monitoring our tapirs by radio-tracking. Please write!


Thu Mar 21 20:16:00 2002
Angelika Raimann, amazoon@na.pro.ec

Die Pipeline

Die Erdölgesellschaft welche eine Pipeline durch unseren Schutzwald bauen will heisst nun PERENCO, da das Konsortium zu 50% der franzöischen PERENCO gehört. Weitere 17,50% gehören der deutschen PREUSSAG, der Rest sind eher unbekannte Gesellschaften.

Das Vorgehen seitens der PERENCO ist folgendes:
1. Sie reden mit uns über die Pipeline (ist erfolgt)
2. Sie präsentieren uns offiziell das Projekt. So passiert am 20.3.2002. Wir bekamen einen kurzen Vortrag darüber, dass sie einen 10 Meter breiten Streifen Wald abholzen müssen, weiter nichts, keine nicht vorgesehenen negativen Konsequenzen...
3. Sie möchten dass wir ihnen erlauben, topographische Aufnahmen unseres Waldes zu machen, damit sie entscheiden können, wo genau die Pipeline durchführen wird. Diese Erlaubnis haben wir ihnen noch nicht gegeben.
4. Sowie sicher ist, wo durch, kommt die DINAC, die nationale direction für Einschätzungen, und rechnet aus, wie viel (oder wie wenig) Entschädigung uns zusteht.
5. Wir müssen dann unterschreiben, dass wir den Bau erlauben.
6. Es wird gebaut.

Punkt 3 haben wir noch nicht unterschrieben, da wir die Ersten wären das zu tun, und wir möchten keine Vorreiterrolle übernehmen. Unser Waldstück ist das Sensibelste der ganzen 60 km Pipeline, weil es das einzige Stück Primärwald an der Strasse ist. Wahrscheinlich haben sie deshalb zuerst bei uns mit den Verhandlungen begonnen.

Der andere Schutzwald, Jatun Sacha, stellt sich offiziell vollkommen gegen die Pipeline. Dieses Vorgehen scheint uns aber nicht ratsam, da die gesamten anderen Landbesitzer für den Pipelinebau sind. Warum? Wegen der Entschädigungen durch die Perenco. Die Menschen sind arm, jegliches Einkommen ist willkommen, die Risiken werden ignoriert. Wir können nur unsere Nachbarn auf die Risiken aufmerksam machen, ihnen raten, soviel wie möglich an Entschädigung zu kassieren, mehr nicht. Eine totale Opposition unsererseits wäre Selbstmord. Zudem hat die Perenco dann immer noch das Recht, uns enteignen zu lassen.


Thu Mar 21 20:15:00 2002
Angelika Raimann, amazoon@na.pro.ec

PREUSSAG - Ein deutsches Unternehmen finanziert die Pipeline durch den Schutzwald Selva Viva.

Wenn von unseren Leser und Genossenschaftern jemand Kontakt zur Preussag hat oder aufnehmen kann, wäre das sehr interessant. Vielleicht könnte man dann mehr Druck machen, damit die Umweltgesetze auch wirklich respektiert werden, um angemessene Entschädigungen zu bekommen.
Unsere "Strategie", die Einzige die möglich ist, besteht darin, den Bau zu akzeptieren, wenn die Erdölgesellschaft den Schaden so gering wie möglich hält, und den Schaden, der nicht zu verhindern ist (u.a. Verlust einer grossen Fläche Primärregenwald) angemessen entschädigt. Doch für diese Entschädigungen müssen wir kämpfen.


Thu Mar 21 20:13:47 2002
Angelika Raimann, amazoon@na.pro.ec

Mönchsschweifaffen in Selva Viva

Schon 2 Mal nun hatten wir das Glück eine vierköpfige Familie von wilden Mönchsschweifaffen zu beobachten, die nur eine Viertelstunde vom amaZOOnico entfernt ihr Territorium haben. Diese Affenart ist sehr selten und vom Aussterben bedroht.


Tue Jan 29 15:48:58 2002
Angelika Raimann, amazoon@na.pro.ec

Geburtenwelle!

Im amaZOOnico sind geboren seit Dezember 10 Nasenbären (Mütter Cuchuch und Raya), 7 Totenköpfchen, ein Kapuziner (Mutter Margory) und 2 Agutis.

Das Veterinärzimmer ist eingeweiht und wird rege benützt.

Die zwei Waisentapire wachsen, Puntita ist innert 2 Monate von 18 kg auf 31 kg hoch!


Fri Jan 18 11:09:36 2002
Angelika Raimann, amazoon@na.pro.ec

Vielen herzlichen Dank !!!

Frau Bernadette Probst Nützi verlässt die SRG und hat statt eines Abschiedsapéros unsere Organisation mit Fr. 300.-- unterstützt. Wir möchten Frau Probst Nützi ganz herzlich danken für all die Spenden die wir schon von Ihr bekommen haben, und wünschen Ihr alles Gute für die Zukunft! Wir werden das Geld einsetzen zur Fertigstellung unserer kleinen Tierkrankenstation, wo noch ein Operationstisch fehlt.


Sat Jan 5 10:03:02 2002
Angelika Raimann, amazoon@na.pro.ec

Paleontologe gesucht!

Am Rio Napo gibt es eine Sandsteinbank mit 4 versteinerten Riesenschildkröten, die leider am verwittern sind. Zudem sind sie auch noch von anderen Menschen entdeckt worden, und jeder schlägt sich ein Stück heraus.
Wir suchen einen Paleontologen oder jemanden mit Felderfahrung auf diesem Gebiet, der bereit wäre, die Schildkröten rauszuholen damit sie an einem sicheren Ort der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht werden können und nicht so sinnlos verloren gehen.
Wir bieten: Unterkunft und Kost im amaZOOnico bei den Volontären.


Wed Dec 5 20:31:12 2001
Angelika Raimann, amazoon@na.pro.ec

Wir haben zwei sehr junge Tapire bekommen, welche von der Polizei beschlagnahmt wurden. Sie sind etwa 2 und 5 Monate alt, und wurden in Holzkisten transportiert, die genau so gross wie sie waren: wie sind total wund. Sie brauchen dringend ein Gehege.

Als gute Nachrichten: die Nasenbärin hat Junge, und die Affen beginnen auch mit den Geburten.


Tue Nov 20 23:52:08 2001
Frank Ziegler, webmaster@amaZOOnico.org

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